Politik wolkiger Absichtserklärungen endgültig gescheitert

Schwerte (epd). Der kirchliche Umweltexperte Klaus Breyer sieht nach dem Minimalkonsens des UN-Klimagipfels in Kopenhagen eine zentrale Rolle für Klima-Initiativen und Kirchen. Für die Überwindung von nationalen Egoismen und Handlungsblockaden benötigten die politisch Verantwortlichen mehr als zuvor die Unterstützung und auch den Druck der Zivilgesellschaft", sagte der Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft der westfälischen Landeskirche am Sonntag in Schwerte dem epd. Die Kirchen müssen nach Auffassung Breyers ihr klimapolitisches Engagement auch in der weltweiten Gemeinschaft verstärken.

Breyer äußerte sich entsetzt darüber, "wie in Kopenhagen kalt und mit machtpolitischem Kalkül über das Leben von Menschen und zukünftigen Generationen hinweggegangen wurde". Bereits heute würden 300.000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Klimawandels sterben, mahnte er. Am Ende des Gipfels habe "weniger als ein fauler Kompromiss" gestanden. Deutschland und die EU hätten zudem ihre Vorreiterrolle für den Klimaschutz verspielt, sagte Breyer, der gemeinsam mit dem westfälischen Präses Alfred Buß und weiteren Vertretern der Kirchen an dem Klimagipfel teilgenommen hatte.

Zugleich sieht der Umweltexperte auch einen Wendepunkt für die Klimapolitik. Ein klimapolitisches "Weiter so" könne es nach Kopenhagen nicht mehr geben. Zwar seien die Ergebnisse enttäuschend. Wenn jedoch nach der Ernüchterung die Einsicht in die Notwendigkeit einer solidarischen Weltinnenpolitik wüchse, wäre ein wichtiger Schritt getan, unterstrich Breyer, der bis November auch Umweltbeauftragter der westfälischen Kirche war. Zu einem völkerrechtlich verbindlichen, ambitionierten Klimaschutzabkommen gebe es keine Alternative. Studien zufolge müsse die Emissionsspitze 2015 endgültig erreicht sein, danach müsse "ein zügiger Abstieg" erfolgen.

Klimaschutz werde in der Evangelischen Kirche von Westfalen "zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Verantwortung" bleiben, kündigte Breyer an. Das sei "Ausdruck unserer Parteinahme für Arme und Schwache". Die westfälische Kirche werde ein umfassendes Energiespar- und Klimaschutzkonzept 2020 erstellen und konsequent umsetzen. Mit Initiativen wie dem Umweltmanagement der "Grüne Hahn" und das ökumenische Projekt "Zukunft Einkaufen - glaubwürdig wirtschaften in Kirchen" fördere die Kirche bereits bei sich selbst Maßnahmen für den Klimaschutz.

Die Ressourcen- und Klimakrise bezeichnete Breyer als "eine strukturelle Ungerechtigkeit": "Sie ist nichts anderes als ein gigantischer Angriff auf Menschenrechte, Menschenwürde und eine gerechte Weltgemeinschaft". Eine solidarische, menschengerechte Globalisierung sei ohne wirkungsvollen Klimaschutz und ohne finanzielle und technologische Unterstützung armer Länder nicht erreichbar, sagte der 52-jährige Theologe.

Status Besucher

Schon gelesen?

Politik wolkiger Absichtserklärungen endgültig gescheitert…


Klima-Vorreiter Deutschland: in der Umsetzung kläglich!…


Auf dem Weg nach Kopenhagen…


Präses Buß: Klimaverträgliche Wirtschaftspolitik ist möglich…


Wegmarken für einen Kurswechsel…


Zukunft einkaufen

Offizielles UNESCO-Projekt der Weltdekade 2009/2010